Die Bedeutung von Futteranreicherung

Zunächst einmal möchte ich darauf hinweisen, daß eine Anreicherung von Futter nichts mit "boosten" oder "Dampfzucht" zu tun hat. Meine Beobachtungen über die vergangenen Jahre hinweg haben gezeigt, daß eine gute, gehaltvolle Ernährung von Jungtieren während der Aufzucht, aber auch bei adulten Tieren, ausgesprochen positive Auswirkungen zeigt.

Ja, es stimmt, Jungtiere, die mit angereichertem Futter aufgezogen werden, wachsen schneller heran, werden früher geschlechtsreif und zeigen sehr viel früher Farbe. Man hat mir gegenüber zu Beginn häufig den Einwand gemacht, daß dies doch eine Dampfzucht sei. Aber wie sich inzwischen zeigt, haben die Tiere trotz schnelleren Wachstums und früherer Reifung eine höhere Lebenserwartung, was bei "Dampfzucht" nicht der Fall ist. Da werden die Jungtiere einfach nur in ihrem Wachstum vorangetrieben, ohne, daß die Entwicklung da mithält.

Was ist denn eigentlich Anreichern?

Anreichern bedeutet, das Futter mit solchen Stoffen aufzuwerten, die für die gesunde Fischernährung von Bedeutung sind. Was in dem Falle zunächst die Anreicherung mit HUFA (Highly Unsaturated Fatty Acids) heisst.

Mehrfach ungesättigte essentielle Fettsäuren sind Bestandteile in Nahrungsmitteln vorkommender Fette. Sie werden deshalb essentiell genannt, weil der Organismus sie nicht selbst herstellen kann und sie dennoch das Grundgerüst aller Zellmembranen des Organismus und insbesondere der Neuronen des Gehirns darstellen. Sie müssen deshalb mit der Nahrung zugeführt werden.

Hinzu kommen noch bestimmte Vitamine, die der Entwicklung förderlich sind. Dazu zählt u.A. Vitamin C und der Vitamin B-Komplex. Ich möchte hier nur die augenfälligsten Wirkungen hervorheben, weil mir für andere Ergebnisse die Nachweisführung fehlt.

Mangel an Vitamin C führt zu einer verminderten Aktivität der Prolyl-Hydroxylierung und der Lysyl-Hydroxylierung und damit zur Instabilität von Kollagen (Ehlers-Danlos-Syndrom). Da Kollagen in praktisch allen Organen und Geweben des menschlichen und tierischen Organismus vorkommt, vor allem aber im Bindegewebe, wird bei Mangel von Vitamin C Skorbut ausgelöst.
Mit Niacin und Vitamin B6 steuert Vitamin C die Produktion von L-Carnitin, das für die Fettverbrennung in der Muskulatur benötigt wird.

Quelle: Wikipedia

So werden bei mir Artemia-Nauplien mit einem HUFA-Supplement, Vitamin C und Vitamin B- Komplex angereichert.

Ein paar Fakten:

Erste Aufzuchten von Rhinogobius giurinus ergaben ca. 25 Jungtiere, die ca. 9 Monate brauchten, bis sie geschlechtsreif waren, dann aber mit ca. 1,5 Jahren plötzlich mit Symptomen der Lochkrankheit starben. Nachdem ich begonnen hatte, das Futter mit HUFA anzureichern, wurden die Jungtiere nach 4 Monaten geschlechtsreif und haben wieder ihre normale Lebenserwartung (5 Jahre).

rubromaculatus m 300er-1Bei Rhinogobius rubromaculatus tauchen immer wieder Tiere auf, deren Körper sehr gedrungen, dafür aber sehr breit ist. Sie werden bei uns "Mopsköpfe" genannt und ich hatte mir zu Beginn Sorgen gemacht, daß dies evtl. ein Erbschaden sein könnte. Inzwischen weiß ich, daß es ein Ernährungsschaden ist. Die Tiere leiden offensichtlich während der Wachstumsphase irgendwann unter Vitaminmangel, was zu einer Verkrümmung der Wirbelsäule führt. Der Buckel, der sich dadurch bildet, lässt sie so mopsköpfig erscheinen.

Seit ich das Futter zusätzlich mit o.b. Vitaminen anreichere, sind keine Mopsköpfe mehr aufgetreten.

 

 

 

 

nandujiangensis-3Alle Jungtiere, die seitdem mit diesem angereicherten Futter aufgezogen wurden, zeigen ein sehr gerades Wachstum. Ganz besonders auffällig finde ich jedoch, daß sie alle keinerlei Fettansätze mehr zeigen, obwohl sie gut genährt sind. Sie wirken straff und muskulös. Frühere Jungtiere, die arg gut im Futter standen, wirkten immer leicht "wabbelig" und ein bisschen speckig. Davon ist bei den jetzigen Jungtieren nichts mehr zu sehen. Für mich ist es momentan immer wieder ein Erlebnis, sie anzuschauen, weil sie so urgesund aussehen. Wie ein Hund mit strahlend glänzendem Fell :-)

 

 

 

 

Bei der Aufzucht der Fitzellarven kann man anhand der Überlebensrate schon einen deutlichen Unterschied feststellen.
Die ersten Larven aus 3 Gelegen fütterte ich mit ungefütterten Brachionus. Aus diesen Gelegen kamen jeweils 20 - 30 Larven von ca. 3000 durch und ihre Entwicklung war relativ langsam.
Das letzte und 4. Gelege wurde nach o.b. Methode gefüttert. Aus diesem Gelege überlebten 118 Larven, welche ca. 3mal so schnell wuchsen und um 2/3 früher geschlechtsreif wurden.

Meilensteine sind die erste Annahme von anderem Futter und das Einstellen der freischwimmenden Phase.

Gelegeerste Annahme von ArtemiaBodenphase
Vergleich mit und ohne Anreicherung
1-3  Tag 21  Tag 42
5  Tag 9  Tag 34

 

Im Nachhinein fällt bei diesen 118 Jungtieren auf, daß es keine einzige Mißbildung gab. Bisher musste ich immer ca. 10 % der Jungtiere später abtöten, weil sie so starke Mißbildungen am Kiefer hatten, daß sie nicht richtig fressen konnten und so auch nicht richtig wuchsen.

Diesmal gab es 118 quietschgesunde Rhinogobius leavelli ohne jegliche Mißbildung oder Kümmerwuchs.

Aber auch bei erwachsenen Tieren sieht man den Unterschied zwischen angereichertem und nicht angereichertem Futter. Ich füttere hier täglich die komplette Runde mit angereicherten Artemia-Nauplien. Umzugsbedingt musste ich mal etwa drei Wochen damit aussetzen. In dieser Zeit waren die Tiere zwar gesund, aber ihre Balzaktivitäten liessen deutlich nach. Kaum hatte ich wieder mit der Fütterung von Artemia angefangen, wurde ich wieder reichlich mit Gelegen beschenkt :-)

Besonders auffällig fand ich die Farbunterscheide bei den Pseudomugil (gertrudae, mellis und cf. paskai). Ohne Artemiafütterung sind sie häufig blasser und auch nicht ganz so aktiv. Setzt die Fütterung mit Artemia wieder ein, strahlen sie um die Wette mit den schönsten Farben und laichen auch deutlich mehr.

Bei der Aufzucht von Blauaugen- oder Filigranregenbogenlarven zeigt sich, dass der Zusatz von Anreicherung während der Fütterung zu einer deutlichen Steigerung der Überlebensrate und früherer Reifung der Tiere führt. Bei den Iriatherina werneri habe ich eine Überlebensrate von nahezu 100%, was, wie mir von anderen Züchtern bestätigt wurde, fast an ein Wunder grenzt, weil dort die Ausfallrate bei bis zu 80% liegt.

Die Gründe für diese Entwickling sind eigentlich relativ einfach:

Mit der Zuführung von EPA und DHA (das sind die Fettsäuren, die mit der Anreicherung zugeführt werden) macht man bei Süßwasserfischen Ressourcen für das Wachstum und die Entwicklung frei.
Normalerweise sind Süßwasserfische dazu in der Lage, EPA aus ihrer Nahrung zu synthetisieren. Führt man den Larven und Jungfischen allerdings diese essentielle Nahrung von aussen zu, bleiben die "Kraft"reserven, die der Fisch für die Synthetisierung brauchen würde, für andere Aufgaben, wie Entwicklung und Wachstum.

Man sieht also, es gibt also sehr gute Argumente, Fische mit angereichertem Futter zu versorgen. Bei der Aufzucht von Jungfischen halte ich dies inzwischen für unabdingbar. Bei der Ernährung von adulten Tieren bringt es durchaus Vorteile.

In dem Artikel Anreichern leichtgemacht gebe ich ein paar Tipps, wie man diese Anreicherung schnell und ohne großen Aufwand erledigen kann. Vielleicht bringt es den ein oder anderen ja dazu, dem zu folgen und sich anschliessend ebenso wie ich an seinen sichtlich gesunden Tieren zu erfreuen.

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