Keine Angst vor Winziglarven


Wie aus meinen Zuchtberichten hervorgeht, ist die Erstnachzucht von freischwimmenden, winzigen Grundellarven ein ziemliches Abenteuer. Es kann manchmal dauern, bis man das passende Futter gefunden hat. Leider fressen nicht alle Brachionus, z.B. Mugilogobius chulae lassen sich mit Euplotes aufziehen. Ich möchte hier einmal auf die Aufzucht mit Brachionus eingehen, weil viele Leute es sich so kompliziert vorstellen, es sich aber inzwischen als denkbar einfach herausgestellt hat.

Zu Beginn habe ich mir die umständliche Mühe gemacht, die Brachionus vor dem Verfüttern im Kulturbecken zu füttern und danach auszusieben und ins Aufzuchtbecken der Fischlarven zu geben. Dabei hat sich ein entscheidender Nachteil herausgestellt: im Kulturbecken kann man nicht ausreichend und durchgängig mit Anreicherung arbeiten, es sei denn, man benutzt Phytoplankton. Dies erweist sich allerdings als recht kompliziert in der Kultivierung, man braucht zwei zusätzliche Becken und hat beständig den Drahtseilakt, die Kulturen funktionell zu halten.
Das ist leider nicht für jeden machbar. Auch für mich ist es sehr umständlich, da ich oft mehrere Aufzuchten nebeneinander laufen habe und mir dann auch die Zeit fehlt, mich intensiv mit Futterzucht zu befassen.

Das Brachionusfutter Selco S. parkle ist für die Kultur von Brachionus ausgezeichnet geeignet, aber für die Aufzucht von Fischlarven, wie ich inzwischen festgestellt habe, unzureichend. Da Brachionus ja selbst nur einen sehr geringen Nährwert haben, muß man darauf bedacht sein, diese vor der Verfütterung mit geeignetem Futter zu "füllen", um den Fischlarven ausreichend Energie für eine gesunde und ordentliche Entwicklung zu geben. Also muß man sich einen Weg überlegen, wie man auf der einen Seite die Brachionuskultur nicht mit zu viel Anreicherung Selco S. presso schädigt, zur Verfütterung aber genügend davon in die Brachionus hineinbekommt.

Manchmal kann es so einfach sein :-) Meine Larven hatten mich ja prinzipiell schon darauf hingewiesen. Immer, wenn ich die übrig gebliebenen Brachionus im Aufzuchtbecken mit einem Klecks Selco S. parkle fütterte, schwammen die Grundellarven aktiv in diese Wolke.
Irgendwann kam ich auf den Gedanken, doch gleich so viele Brachionus ins Aufzuchtbecken zu bringen, daß die Larven ständig im Futter stehen und über den Tag verteilt regelmässig dafür zu sorgen, daß diese Brachionus mit Selco S. presso gefüllt wurden. Denn erstaunlicherweise schadet die Zugabe ins Aufzuchtbecken den Grundellarven in keiner Weise, während es im Kulturbecken Schaden anrichtet, weil es sich dort auf dem Boden absetzt und Faulgase entwickelt, die die Vermehrung der Brachionus bremsen.

Zum Aufbau des Aufzuchtbeckens:

Die Larven werden in einem 12-Liter-Becken aufgezogen. Das Becken ist ohne Bodengrund und wird durch einen Bio-Schwamm-Filter gereinigt. Je nach Witterung kommt eine Heizung mit hinein, die die Temperatur konstant auf min. 22° C hält.

Das Wasser wird bis zu einer Leitfähigkeit von knapp 4000 µS aufgesalzen, so bleiben die Brachionus am Leben. (Dies gilt natürlich nur für die Süsswassergrundellarven, die nicht in Brackwasser gezogen werden.)












Wenn ich Süßwasserlarven mit Brachionus plicatilis füttere, fahre ich den Salzgehalt im Kulturansatz bis auf 10g/l herunter, indem ich täglich ein drittel Wasser durch Süßwasser ersetze, bis ich die gewünschte Konzentration erreicht habe.

Nun gebe ich eine große Menge Brachionus (gesiebt mit einem 50µm-Sieb) ins Aufzuchtbecken und gieße eine Lösung aus einem Teelöffel warmen Wasser mit einer darin aufgelösten, streichholzkopf-großen Menge Selco S. presso hinein. Vorzugsweise beginne ich damit am Morgen eine halbe Stunde vor Licht-an, damit die Brachionus sich damit vollsaugen, bevor die Larven sich nach einer langen Nacht ihre völlig leeren Bäuche damit in minutenschnelle vollschlagen.
Solange genügend Brachionus im Wasser sind, wird so zwei- bis dreimal täglich nur Selco S. presso nachgegeben, sobald das Wasser klar ist. Brachionus werden immer nur dann hinzugefügt, wenn sich ihr Bestand im Becken deutlich lichtet.

Es hat sich herausgestellt, daß auf diese Weise etwa 3-5mal so viele Larven überleben, als wenn man die Brachionus mehrmals täglich extern füttert und anreichert. Ich vermute, daß die Larven selbst von dem Selco S. presso aufnehmen, während sie in der Wolke Brachionus fressen. Natürlich kommt hinzu, daß so sichergestellt ist, daß sie im Futter stehen und immer ausreichend Nährstoffe erhalten.
Das sollte allerdings nicht dazu verleiten, es ausschliesslich mit Selco S. presso zu versuchen. Die Larven bleiben damit zwar am leben, wachsen aber nicht, wie Versuche gezeigt haben.

Ich habe inzwischen festgestellt, daß die Aufzucht solcher Winziglarven mit dieser Methode weitaus weniger aufwändig ist, als "normale" Larven mit Artemia aufzuziehen. Brachionus machen ja in der Kultur sehr viel weniger Arbeit als tägliche Neuansätze. Die Fütterung beider, der Kultur sowie der Larven, erfordert jeweils vielleicht zwei Minuten. Man sollte sich auch nicht vor dem nach einigen Tagen völlig verdreckt aussehenden Becken erschrecken lassen. Es schadet den Larven nicht. Um den Boden sauber zu halten, setze ich meist ein paar Posthornschnecken ein. Damit habe ich bei den letzten Gelegen enorme Erfolge erzielt. Ich kann nur jedem empfehlen, es mal zu probieren. Es nimmt einem die Scheu, es mit neuen Arten zu versuchen.

grundeln

grundeln

grundeln

grundeln

grundeln

grundeln

grundeln

grundeln

grundeln

grundeln

grundeln
© by ferraqua
All rights reserved