Artemia dekapsulieren

Jeder, der Artemianauplien zur Aufzucht verwendet, kennt die Prozedur: Die Belüftung ausstellen, warten, bis sich Schalen und Nauplien getrennt haben und dann die Nauplien entweder durch ablassen oder absaugen entnehmen.
Aber trotz aller Sorgfalt bleiben immer Schalen im Ansatz übrig und verunzieren die Aufzuchtbecken, indem sie sich am Rand absetzen.

Dem kann man wunderbar entgegen wirken, indem man die Artemiazysten dekapsuliert, also die Schalen vor dem Ansetzen zum Schlupf entfernt.
Ein zweiter Vorteil des Dekapsulierens ist, daß man keine Verluste mehr hat, denn auch die ungeschlüpften Zysten lassen sich verfüttern.

Das Dekapsulieren:

Benötigt werden:
1 Glasflasche (1 Liter) mit Belüftungsmöglichkeit
1 größeres Artemiasieb sehr fein (100-150 µm)
Chlorreiniger wie Domestos oder Dan Chlorix
Essig
Spülmaschinensalz
1 runde Haribodose

Ich dekapsuliere immer gleich eine größere Menge, in etwa den Bedarf für 10 - 14 Tage.
Ich gebe nun die benötigte Menge Zysten in die Glasflasche und gebe einen Teelöffel Salz und 150 ml Wasser hinzu. Die Flasche wird für 2 Stunden belüftet, um die getrockneten Zysten einzuweichen.

Nach 2 Stunden fülle ich die Flasche mit Chlorreiniger auf und belüfte diese weiter.

Nun kommt der sensible Teil: die Zysten werden nun zunächst weiß und dann orange. Man muss den richtigen Zeitpunkt abwarten (ca. 2 Minuten), bis alle Zysten orange sind. Ich habe festgestellt, daß, sobald alle Zysten sauber sind, das Ganze heftig anfängt zu schäumen und dann drückt der Schaum durch die Belüftungskappe. In dem Augenblick breche ich diesen Vorgang ab.

Nun werden die Zysten in das Artemiasieb geschüttet und gespült, solange, bis jeglicher Schaum verschwunden und der penetrante Chlorgeruch nicht mehr wahrnehmbar ist.

Dann wird das Sieb in eine passende Schüssel gestellt und die Zysten, zum Neutralisieren des Chlorreinigers, mit Essig übergossen. Danach wird das Ganze noch einmal mit Wasser gespült, um den Essig auszuspülen.

Nun wird in der Haribodose drei Finger breit Wasser eingefüllt und darin 2-3 Teelöffel Spülmaschinensalz aufgelöst. In diese Salzlake stelle ich das Sieb mit den dekapsulierten Zysten. So lassen sich die Zysten völlig schados aufbewahren, ohne daß ein Qualitätsverlust eintritt.
Das Wasser sollte allerdings wöchtentlich erneuert werden, da sich darin Bakterien bilden (an einer Trübung zu erkennen).
Ich habe bisher für max. 3 Wochen voraus Zysten dekapsuliert und damit keine Qualitätsverluste erhalten.

Das Equipment:

MilchflascheAls Glasflasche benutze ich einfach eine Milchflasche von Landliebe. Die sind ideal, weil sie einen weiten Hals haben.

 

 

 

 

 

 

 

kappe-einzelteileZur Belüftung wird ein Gärverschluß benutzt. Erhältlich z.B. bei Hornbach. In den Gärverschluß wird ein Schlauchverbinder für einen 4/6 mm Schlauch gesteckt. Im Innenteil wird ein 4/6 mm Rohr angebracht, welches bis zum Boden reicht und ganz leicht angeschrägt abgeschnitten wird.
Am Aussenteil wird ein 4/6 mm Luftschlauch angebracht, um die Flasche an eine Belüftung anzuschliessen.
Ausserdem wird im Gärverschluss noch ein 4/6 mm Röhrchen zur Entlüftung eingesetzt. Fertig ist die Flasche (die ich übrigens auch zum Brüten von Artemia einsetze).

 

 

 

Artemiasieb Ø 10 cmDas Sieb habe ich vor langer Zeit beim Artemia-Shop bestellt. Den gibt es leider nicht mehr. Aber statt dessen gibt es die passenden Siebe auch im Meerwassershop. Die Anschaffung ist sehr lohnend, weil diese Siebe in allen möglichen Bereichen einsetzbar sind.

 

 

 

 

 

Aufbewahrung HaribodoseDie Aufbewahrung findet in einer Haribodose statt, in der sich 3 finger breit hochkonzentriertes Salzwasser befindet. Das Sieb wird in dieses Salzwasser gestellt und das Ganze (natürlich mit verschlossenem Deckel) im Kühlschrank aufbewahrt.

 

 

 

 

 

Erbrüten der Nauplien:

artemia-brueterIch benutze zum Erbrüten der Nauplien ebenfalls die oben gezeigten Flaschen. Der Vorteil bei dekapsulierten Zysten ist ja, daß man die Flaschen nicht mehr stehen lassen muss, damit sich die Nauplien sammeln. Hier kann man einfach den Flascheninhalt in ein Sieb schütten und vollständig verfüttern.

Zum Ansetzen mische ich 24g/l Spülmaschinensalz + 3,5 g/l Kaisernatron mit einem Liter Wasser und gebe die entsprechende Menge dekapsulierte Zysten dazu.

Das Kaisernatron erhöht den pH-Wert des Brutwassers. Damit erzielt man bessere Schlupfergebnisse. Ausserdem verhindert das Natron, daß die Zysten an der Flaschenwand kleben bleiben.

 

Kleiner Tipp: Wenn man den Platz hat, lohnt es sich, einen Kanister mit 10-15 Liter auf Vorrat zu mischen. Ich habe einen 15-Liter-Kanister mit Hahn auf dem Tisch stehen. Dort mische ich das Wasser (320 Gramm Salz + 1 Tüte Kaisernatron) immer für eine Woche aus Vorrat an und habe so viel weniger Zeitaufwand zum Ansetzen der Artemiabrut.

Achtung! Durch das Dekapsulieren schrumpft das Volumen der Zysten sehr stark. Wenn man sonst einen Teelöffel Zysten mit Schalen ansetzt, benötigt man von den dekapsulierten Zysten nur 1/4 Teelöffel.
Die dekapsulierten Zysten eigenen sich übrigens auch nicht zum Erbrüten in Schalen. Dort sinken sie zu Boden und entwickeln sich nicht! Hier muss man also weiterhin auf Zysten mit Schalen zurück greifen.

Je nach Qualität der Zysten ist die Brutdauer 24 - 36 Stunden.

Danach einfach die den Flascheninhalt in ein Artemiasieb giessen, spülen und verfüttern :-)

Hier noch ein Filmchen, um das Ganze zu veranschaulichen:

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