Chlamydogobius eremius

Chlamydogobius eremius Paar
Familie: Gobiidae
Wissenschaftlicher Name: Chlamydogobius eremius

(Zietz, 1896)
Deutscher Name: australische Wüstengrundel
Synonyme: Gobius eremius
Herkunft: Australien

 

Beschreibung:

Diese Grundeln sind in ihrem natürlichen Habitat Überlebenskünstler. Sie leben sowohl in Flüssen wie auch in abgeschlossen Restwasserbeständen, in denen sich extreme Bedingungen einstellen können. Temperaturen von 5° C - 41° C, pH-Werte zwischen 6,5 und 11, Salinitäten bis zu 60 ppt sowie leichte Giftstoffansammlungen sind in ihrem natürlichen Lebensraum vorzufinden. All dies überleben diese Tiere.
Im Aquarium spiegelt sich diese Überlebensstrategie auch in ihrem Verhalten wieder. Sie sind sehr unbekümmert, unglaublich verfressen und sofort da, sobald sich etwas am Aquarium rührt. Jede Bewegung vor der Scheibe, jedes Öffnen des Deckels bedeutet für sie nur eins: FUTTER!
Dieses Verhalten macht sie aber auch zu sehr leicht zu haltenden Tieren. Umsetzen in ein anderes Aquarium ist bei ihnen kein Problem: einfach die Hand ins Becken halten oder den Käscher reinstellen... und in ein paar Sekunden sitzen sie drin oder drauf und man kann sie einfach mitnehmen ;o)
Einen Wehrmutstropfen gibt es allerdings bei ihnen: Die Männchen können, je nach Hormonpegel, ausgesprochen territorial und aggressiv sein. Ich bekam drei Paare, davon ein ausgewachsenes, ein halbwüchsiges und ein noch nicht ausgefärbtes Männchen. Letzteres holte dann innerhalb von drei Wochen auf und schnappte sich gleich ein Weibchen, um mit dieser abzulaichen. Am nächsten Morgen schwammen die beiden anderen Männchen tot im Becken. Er hatte sie einfach als unliebsame Konkurrenz aus dem Weg geräumt. Einen Tag später brachte er auch noch ein Weibchen um, die seinem Gelege zu häufig zu nahe gekommen war.
Dies ist zwar nicht die Regel, aber man muß dieses Verhalten einkalkulieren. Deswegen ist die Einrichtung ganz besonders wichtig, um auch den Weibchen Möglichkeiten zu schaffen, den laichbetreuenden Männchen weit genug ausweichen zu können.
Hat man diesem Verhalten Rechnung getragen, hat man viel Freude an diesen Clowns. Da sie so neugierig und zutraulich sind und wirklich den ganzen Tag hyperaktiv, hat man ständig etwas zu schauen und zu lachen.

Nachtrag:

Inzwischen hat sich heraus kristallisiert, daß dieses hochaggressive Verhalten aus Inzuchtschäden ergibt. Mischt man diverse Stämme wieder miteinander und sorgt beim Jungvolk für ausreichende Ernährung mit angereichertem Futter, geht die Aggression gegen Null. Wir arbeiten also inzwischen dran.

Geschlechterunterscheidung
Beschreibung Männchen Weibchen
Visuelle Unterschiede: Größe: 6 cm   Größe: 6 cm  
Die Männchen haben wunderschön dunkelblau gefärbte Rücken- After- und Schwanzflossen. Ab der Brustflosse ist ihr Körper, je nach Stimmung, mehr oder weniger dunkel gefärbt. Auffällig ist bei den Männchen die "Weiße-Hai-Schnauze".

Weibchen sind einfarbig olivfarben bis grau. Ihr Maul ist rundlicher als bei Männchen.
Chlamydogobius eremius Männchen Chlamydogobius eremius Weibchen
Haltungsbedingungen
Wasserart: Brackwasser
Süßwasser
Härte: weich bis hart
pH-Wert: 7 - 8 pH
Temperatur: 10° - 35°C
Mindestbeckengröße für 1 Gruppe (5 Tiere): 40 x 25 x 25 cm
Beckeneinrichtung:

Bodengrund Sand oder feiner Kies.

Boden mit flachen Steinplatten, höheren Steinen und kleineren Pflanzen strukturieren.

Evtl. Röhren zum Brüten.

Höher wachsende Pflanzen mit großen Blättern und Wurzeln zum Aufsitzen.

Mäßige Strömung.

Sauerstoffreiches Wasser.

 

Futter:

Diese Grundeln fressen einfach alles, was in ihr Maul passt. Lebendfutter, Frostfutter, Flockenfutter, Algenaufwuchs, Detritus... es gibt nichts, was eine Chlamydogobius eremius nicht fressen würde. Das macht ihre Überlebensstrategie so erfolgreich.

Vergesellschaftung:

Von einer Vergesellschaftung mit anderen Fischen rate ich dringend ab. Sobald das Männchen ein Gelege betreut, greift es alles an, was im Umkreis von 10 cm der Laichhöhle zu nahe kommt. Dabei ist er auch nicht sanft in der Wahl seiner Mittel.

Da sich diese Grundeln hervorragend für eine Haltung in kleinen Becken (paarweise oder als Harem) eignen und auch allein einen Blickfang darstellen, weil immerzu Action im Becken ist, steht einer Haltung im Artenbecken eigentlich nichts im Wege.

Zucht:

Die Zucht gestaltet sich bei diesen Grundeln mehr als einfach. Man kann sich entscheiden, ob man reine Erhaltungszucht betreiben oder mehr Tiere züchten möchte, um sie weiter zu geben, denn diese Grundeln stellen ihrem Nachwuchs nicht nach. Es erstaunt mich immer wieder, daß sie, trotz ihrer Verfressenheit, ihre Jungtiere größtenteil am Leben lassen.
Will man reine Erhaltungszucht betreiben, genügt es, eine oder mehrere Welshöhlen ins Becken zu legen und den Tieren freien Lauf zu lassen. Sobald das erste Gelege geschlüpft ist, sollte man ab und zu einige Artemianauplien ins Becken geben, damit die Jungtiere etwas gehaltvolles zum Fressen bekommen. Ansonsten ernähren sich die Kleinen von Detritus, kleineren Daphnien (falls diese gefüttert werden) und allem, was sie sonst noch so am Beckenboden finden.
Bei externer Zucht sollte man das Gelege nach 6 Tagen entnehmen und in ein Aufzuchtbecken überführen. Eine Salzzugabe von 1g/l, einige Erlenzapfen und frisches Wasser verhindern eine Laichverpilzung. Temperatur liegt idealerweise bei 25° C.

Kampf mit dem TubifexDie Jungtiere schlüpfen nach ca. 10 Tagen. Sie haben dann zwar noch einen Dottersack, fressen aber sofort. Artemianauplien, Zyklops und Mikrowürmer sind für die ersten zwei Wochen das ideale Futter. Mit wachsen der Jungtiere darf auch das Futterangebot größer werden. Meine fraßen bereits ab der dritten Woche Tubifex, wenn sie auch bei den ersten Versuchen an Susi und Strolch erinnerten (die Spaghettiszene).

Bei guter Fütterung sind sie nach ca. 3-4 Monaten abgabebereit.

  

 

 

 

 

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