Was ist Brackwasser

 

Brackwasserbecken Viele Süßwasseraquarianer haben nur eine rudimentäre Vorstellung davon, was Brackwasser ist und wie man mit einem Brackwasserbecken umgeht.
Dabei ist das eine sehr unkomplizierte Angelegenheit und wirklich keine Zauberei.

Was ist denn Brackwasser?

Brackwasser nennt man Salzwasser mit einer Salzkonzentration zwischen 5 und 30 Gramm je Liter. Alles unter 5 Gramm je Liter ist Süßwasser, alles über 30 Gramm ist Meerwasser.

In allen Brackwasserzonen schwankt der Salzgehalt im Verlauf des Tages und der Jahreszeiten stark. Dies versetzt deren Bewohner in die Lage, sich ohne Probleme an veränderten osmotischen Druck anzupassen und gegen Schwankungen in den Wasserwerten unempfindlich zu sein.

Um die natürlichen Gegebenheiten nachzustellen, sollte man den Salzgehalt dementsprechend schwanken lassen.

Wichtig! Bitte immer nur aquaristisches Meersalz verwenden. Kein Spülmaschinensalz und auch kein Küchensalz! Spülmaschinensalz ist zwar rein, aber ohne jegliche Mineralien und in Küchensalz finden sich oft Schadstoffe, die in kleinen Mengen beim Verzehr harmlos sind, aber als Umgebungsmilleu giftig und zum (langsamen) Tod der Aquarienbewohner führen können.

Wie richte ich ein Brackwasserbecken ein?

BrackwasserbeckenEin Brackwasserbecken ist nicht so kompliziert. Man benötigt hierfür keine Abschäumer oder sonstige komplizierte Geräte, sondern es wird im großen und ganzen eingerichtet wie ein Süßwasseraquarium. Der einzige Unterschied liegt in der Bepflanzung, denn es gibt nur wenige Pflanzen, die einen höheren Salzgehalt vertragen.

Als Pflanzen eigenen sich (bedingt) Javafarn, Cryptocoryne ciliata, Valisneria americana und Mooskugeln. Für die ersten drei gilt, daß man sie sehr langsam an einen höheren Salzgehalt gewöhnen muss. Die Pflanzen also in einem gesonderten Behältnis hält und über einen langen Zeitraum Salz hinzugibt, bis ein Salzgehalt von 25 Gramm je Liter erreicht ist.

Man richtet also ein Aquarium mit Bodengrund, Steinen und Wurzeln ein. Ich für mein Teil präferiere als Filter einen HMF, denn dieser fängt auch im Brackwasser kleine Störungen hervorragend ab und verhindert so Ammoniakbildung und Nitritanstieg. Aber auch jeder andere Filter ist tauglich.

Das Becken wird dann mit Brackwasser gefüllt. Zum Einfahren sollte der Salzgehalt bei 15-20 Gramm je Liter liegen. Dann lasse ich dieses Aquarium genauso einfahren wie ein Süßwasserbecken. (Ich besetze meine Becken immer sofort, auch hier gibt es keine Probleme, wenn man die Fische im Auge behält und sparsam füttert).

Achtung! Wenn man ein fertig eingefahrenes Süßwasserbecken auf Brackwasser umstellt, beginnt eine vollständig neue Einfahrphase. Durch das Salzwasser werden sämtlichen Nitrifikationsbakterien abgetötet und müssen sich im salzigen Millieu neu bilden. Es kann, je nach Mulmbelastung des Süßwasserbeckens, durch die absterbenden Bakterien zu einem Ammoniakanstieg kommen. Hier sollte man mit dem Besatz einige Tage warten, bis man sicher gehen kann, daß keine Schadstoffanstiege zu erwarten sind. Ein solcher Anstieg entsteht spätestens nach drei Tagen.

Eine Besonderheit des Brackwassers ist die Schadstoffbildung. In einem Süßwasseraquarium läuft die Kette bei einem pH-Wert zwischen 6 und 7,9 über Ammonium, Nitrit, Nitrat.
In einem Brackwasserbecken liegt der pH-Wert oft, je nach verwendetem Salz, über 8. Hierdurch bildet sich kein Ammonium, sondern Ammoniak. Dieses ist ungleich giftiger für die Wasserbewohner, vor allem für Wirbellose wie Schnecken und Garnelen. Es gilt also, dies unter Beobachtung zu halten und die Filterung so zu dimensionieren, daß kleine Störungen, wie etwas zuviel Futter oder mal eine tote Schnecke, durch die Nitrifikanten sofort abgefangen werden. Der Filter sollte also immer etwas größer ausfallen als im Süßwasser (und deshalb ist ein HMF auch so zu bevorzugen, weil dieser eine weitaus größere Besiedelungsfläche bildet als ein Topffilter).
Messen kann man im Brackwasser mit allen handelsüblichen Messmitteln wie Tröpfchentest oder Messstäbchen. Ich habe hierfür immer Messstäbchen zur Hand, um im Notfall einen schnellen Überblick zu bekommen.

Wasserwechsel

TerrortruppAlle 2-4 Wochen sollte im Brackwasserbecken ein Wasserwechsel gemacht werden. Hierfür halte ich immer fertig gemischtes, hochkonzentriertes Salzwasser vor, denn auch im Brackwasser gilt: man sollte kein frisch angemischtes Salzwasser verwenden, weil dieses leicht aggressiv sein kann.

Ich stelle mir also einen Kanister mit Salzwasser in einer Konzentration von 60 Gramm / Liter in eine Ecke und verdünne dieses dann beim Wasserwechsel auf die gewünschte Konzentration.

Bei jedem Wasserwechsel sollte die Konzentration verändert werden. Entweder lässt man den Salzgehalt einfach nach dem Zufallsprinzip hoch- und runterschwanken. Oder man stellt die natürlichen Habitate in den Jahreszeiten nach, indem man zum Sommer hin den Salzgehalt ansteigen lässt und dann zum Herbst / Frühjahr die Konzentration gegen Null gehen lässt. Dies führt bei vielen Brackbewohnern zum Ablaichen.

Das bedeutet: Man entnimmt das Wechselwasser und füllt anschliessend mit einer neu berechneten Konzentration auf Gesamt-Nettovolumen wieder auf.
Beispiel: ein 160 Liter Becken mit einer Konzentration von 20 Gramm je Liter bekommt bei Erstbefüllung bei einem Nettovolumen von 140 Litern 2800 Gramm Salz.
Um die Konzentration beim folgenden Wasserwechsel auf 10 Gramm zu senken, entnehme ich 50% Wasser, also 70 Liter und fülle mit reinem Süßwasser nach. Damit habe ich dann eine Konzentration von 10 Gramm je Liter. Will ich eine Gesamtkonzentration von 15 Litern erreichen, rechne ich

70 Liter x 20 Gramm = 1400 Gramm (vorhandene Konzentration)
140 Liter x 15 Gramm = 2100 Gramm (benötigte Konzentration)
2100 - 1400 = 700 Gramm (zuzuführende Konzentration)


Stigmatogobius sadanundioEs ist also alles keine Zauberei :-) Und belohnt wird so ein Brackwasserbecken mit wunderschönen Fischen, für die es sich wirklich lohnt.

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