Marmorkrebse


Hier möchte ich gleich noch ein Thema ansprechen, welches mir sehr am Herzen liegt.

Immer wieder liest man in Foren, daß ein User einen Krebs erstanden oder geschenkt bekommen hat und plötzlich völlig überfordert ist, weil aus einem Krebs dutzende geworden sind. Hakt man nach, handelt es sich um einen Marmorkrebs (Procambarus sp.). Auch diese zählen zu den nordamerikanischen Krebsen und somit Träger der Kresbpest.

Marmorkrebs * Marmorkrebse stellen eine Besonderheit dar. Es existieren nach Allem, was bisher bekannt ist, keine Männchen. Zumindest wurden bisher noch keine gefunden. Sie vermehren sich über Parthenogenese (Jungfernzeugung). Dies bedeutet, daß ein einzelner Marmorkrebs sich allein fortpflanzen kann und dies tun sie auch ausgiebig.
Ein Marmorkrebs kann alle 8 - 16 Wochen, je nach Haltungstemperatur, bis zu 100 - 400 Jungtiere freisetzen. Rechnet man mit einer Überlebensrate von 10%, so hat man nach einem halben Jahr ca. 10 - 40 Marmorkrebse zusätzlich, die sich nun wiederum vermehren können. Was bedeutet, ein Marmorkrebs potenziert sich innerhalb kürzester Zeit.

Nun gehen leider einige Halter davon aus, daß sie den Tieren etwas Gutes tun, wenn sie sie, weil sie der Flut nicht mehr Herr werden, irgendwo in der freien Natur aussetzen oder aber, sie werfen sie in ihrer Verzweiflung einfach in die Toilette. Beides richtet immensen Schaden in der Natur an. Warum?

Marmorkrebse vermehren sich nicht nur exzessiv, sie sind auch Träger der Krebspest. Setzt man nun ein Tier in einem Teich, See oder Bach aus, so breiten sich die Sporen der Krebspest unweigerlich über viele Quadratkilometer aus, da sie durch jegliche Wasseranhaftung übertragen werden können. So auch durch Wasservögel oder Insekten (Libellen etc.), die auf dem Wasser landen und dann zum nächsten Gewässer weiterfliegen. Dies führt dazu, daß in weitem Umkreis jeeder einheimische Krebs infiziert wird und stirbt. Also zur Ausrottung der umliegenden, wenigen Bestände einheimischer Krebse.

Hinzu kommt, daß Marmorkrebse durch ihre exzessive Vermehrung eine nicht zu überwindende Futterkonkurrenz für einheimische Krebsarten darstellen. Da Procambarusarten überdies Temperaturen bis zu 3° überleben, finden sie hier bei uns auch ideale Überlebenschancen. Denn in einem Teich, der im Winter nicht komplett zufriert, übeleb diese Tiere. Allein durch ihre Existenz stellen sie also eine große Gefahr für einheimische Flußkrebse dar.

Hinzu kommen inzwischen Erkenntnisse aus Madagaskar. Dort richten die Tiere nicht nur unter den einheimischen Krebsen immensen Schaden an, sondern fressen auch Wasserpflanzenbestände kahl und vergreifen sich an Jungfischen z.B. in Fischzuchtteichen.

Also: Wer Marmorkrebse halten will, muß dafür sorgen, daß kein Tier in die Natur geraten kann. Weder durch Wechselwasser und damit abgesaugte Jungtiere, die dann in die Kanalisation geraten und dort überleben können, noch durch Aussetzen in einem Oberflächengewässer. Es gibt Methoden, die Jungtierflut einzudämmen und ebenso kann man Jungtiere verfüttern. Aber niemals darf ein Marmorkrebs nach draussen geraten!

Unterscheidungsmerkmale zwuischen Procambarus alleni und Procambarus sp. (Marmorkrebs):
Der Marmorkrebs kann je nach Wasserwerten ebenso blau sein wie ein P. alleni. Aus diesem Grund werden auch häufig auf Börsen Marmorkrebse unter falscher Bezeichnung verkauft.

Ein Marmorkrebs weist aber immer eine leichte bis kräftige Marmorierung auf dem Panzer auf, während der P. alleni eine glatt blaue Farbe hat.

Wichtigstes Merkmal: der P. alleni besitzt Dornen auf den Scheren, der Marmorkrebs hat glatte Scheren ohne Bedornung.

* Vielen Dank an Chris Chucholl, der das Bild zur Verfügung gestellt hat.
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