Sicher kennt jeder das Problem: man ist sich bewusst, daß Futteranreicherung gerade bei Jungfischen mehr als wichtig ist, aber die Methoden erfordern Zeit und die hat kaum ein berufstätiger Mensch. Deshalb fällt die Prozedur leider oft genug unter den Tisch.
Ich habe in den letzten Monaten ein wenig herumprobiert, um zu schauen, ob es nicht doch leichter geht. Und ja, es geht leichter.
Der ein oder andere wird nach meinem Artikel vermutlich empört aufschreien. Aber die Methoden, die ich hier beschreibe, habe ich getestet und es funktioniert.
Anreicherung von Brachionus und Nitroka lacustris:
Um o.b. Arten anzureichern, mische ich das Anreicherungsprodukt gleich mit unter das Futter. Was bedeutet: Ich rühre die entsprechende Menge Selco S. parkle an und gebe in diese Mischung gleich ein Drittel der empfohlenen Menge Selco Protein oder Selco S. presso. Diese Mischung wird 20 Minuten vor der Verfütterung in die Zuchtbehältnisse gegeben.
Man hat mich gewarnt, daß diese Methode u.U. zum Kippen des Ansatzes führen könnte. Ich habe bisher kein Problem feststellen können. Voraussetzung ist natürlich, daß man sehr sparsam füttert (das Wasser soll nach spätestens 6 Stunden wieder völlig klar sein) und die Ansätze regelmässig reinigt, sobald sich eine abgesetzte Schicht auf dem Boden zeigt.
Meine Ansätze zeigen eine erstaunliche Dichte. Der Erfolg dieser Anreicherung zeigt sich ebenfalls bei den Fischnachzuchten in der Überlebensrate und dem Wachstum.
Anreicherung von Artemia-Nauplien:
Gerade die Anreicherung von Nauplien fand ich nach den bisherigen Empfehlungen immer sehr umständlich und zeitaufwändig. Also machte ich ein Experiment:
Ich gebe, sobald die ersten Nauplien in den Hobbyschalen geschlüpft sind, ca. 0,1 Gramm Selco S. presso, angerührt in ca. 10 ml warmen Wasser, in die Schalen. Voraussetzung für diese Methode ist allerdings eine Unterdrückung der Bakterienbildung, da die Nauplien in den Schalen über einen Zeitraum von 2-3 Tagen schlüpfen und die Schlupfrate rapide sinkt, wenn sich nach knapp 2 Tagen eine starke Bakterienpopulation entwickelt.
Aus diesem Grund versetze ich das Ansatzwasser mit INVE Sanocare ACE. Dies verhindert auch im Zusammenspiel mit Selco S.presso zuverlässig die Bakterienbildung und es gibt keinen Einbruch in der Schlupfrate. Die Anreicherung funktioniert zuverlässig, da die Nauplien nur 2-3mal täglich entnommen werden und sie so genügend Zeit zur Aufnahme des Anreicherungsproduktes haben.
Setze ich Nauplien in JBL Artemio an, verfahre ich prinzipiell gleich. Hier gebe ich das Selco S.presso nach ca. 12 Stunden hinzu. Auch hier kommt es durch den Zusatz von INVE Sanocare zu keinem Verlust in der Schlupfrate. Ich lasse den Ansatz etwa 12 Stunden länger laufen als üblich und habe so gut angereicherte Nauplien.
Anreicherung von adulten Artemia:
Auch bei der Zucht der adulten Artemien verfahre ich nach dem Prinzip wie bei den Brachionus beschrieben. Bei den Artemien ist lediglich darauf zu achten, daß die Bakterienbildung unterbunden wird, da die Tiere sonst sehr unbeweglich werden und absterben. Dies erreicht man mit dem Zusatz von INVE Sanocare, allerdings mit nur einem Drittel der vorgeschriebenen Menge. Es bilden sich keinerlei Bakterien im Ansatz. Nach einiger Zeit finden sich natürlich die Häute der Artemien mit einer leichten Schicht des abgesetzten Selco am Boden des Kübels. Diesen sauge ich ab und nutze damit gleich die Chance zu einem Wasserwechsel mit gut abgestandenem Meerwasser. Dies geschieht ca. alle 4 - 6 Wochen.
Der Ertrag ist fantastisch und die Anreicherung funktioniert gut, wie man an den Tieren sehr gut an der Färbung des Schwanzes erkennen kann.
Zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis:
INVE Sanocare ist zur Optimierung bei Artemia-Zucht und für die Erzeugung von Artemianauplien eine sehr gute Hilfe. Aber man darf es niemals bei Brachionus anwenden! Diese sterben innerhalb einer Stunde nach Kontakt mit dem Mittel vollständig ab.